Malerei dreidimensional (Sylvain Arnoux)

- einfach erstaunlich, aber nicht einfach 
 

Ein Hobby für Millionen wird die 3-D Maleirei wohl nie werden - zu aufwändig sind die erforderlichen Zeichenmaschinen, zu komplex die Techniken. Faszinierend anzusehen aber sind die ungewöhnlichen Werke allemal, die Sylvain Arnoux, einer der wenigen 3-D Maler, zu Papier bringt. Sowohl seine Zeichenmaschinen als auch die Betrachter hat der sympathische Franzose selbst konstruiert.

stereoskop

 

Sylvain Arnoux: 3-D Maler aus Frankreich und der Gewinner des Raumbildpreises 2001 der DGS

Bereits in der Juni-Ausgabe 1994 der Zeitschrift "Stereoscopy" habe ich eine 3-D Zeichenmaschine vorgestellt. Diese eignet sich für Formate von bis zu zwei mal A4. Mittlerweile verfüge ich über einen 3-D Zeichentisch im Format 2 x 60cm x 45cm (entspricht ca. DIN A2). Vorteil dieser Formatsteigerung: Die Auflösung der Bilder wird mit zunehmender Größe besser.

 

zeichentisch1

zeichenmaschine_anaglyphen

 

  Parallel zur Entwicklung meiner Stereo-Zeichentische habe ich eines meiner ersten stereo-mechanischen Systeme verbessert und weiterentwickelt. Es ermöglicht mir zum Beispiel, Portraits in Anaglyphentechnik zu malen.

 

 

Die mechanische Optimierung des großen Zeichentisches sowie meine Technik, auf geöltes Transparentpapier zu malen, um stereoskopische Pastelle herstellen zu können, nahmen einige Zeit in Anspruch. Nicht erfüllen ließ sich in dieser Zeit allerdings der sehnliche Wunsch, in 3-D ebenso frei zeichnen zu können wie in 2-D, einfach nur mit Buntstiften und einem Blatt Papier.  

 

motiv1

 

 

zeichentisch2
Mit der neuen Maschine konnte ich einige Übertragungen zweidimensionaler Kunstwerke in 3-D, unter anderem für ein Kinderbuch sowie für Museen, anfertigen. Die Konversion zweidimensionaler Bilder in dreidimensionalen Ansichten ist eine schwierige Arbeit. Es wird von mir erwartet, so exakt wie möglich am zweidimensionalen Original zu bleiben. Eine positive Begleiterscheinung davon war allerdings, dass ich dabei meine Zeichentechnik wesentlich verbessern konnte.
 

Allerdings denke ich, dass diese Übertragungen nicht zu den interessantesten Anwendungen der 3-D Malerei zählen, zumal es mittlerweile Computerprogramme gibt, die das bedeutend effizienter bewerkstelligen, als ich das mit meinen Systemen kann.

Die mechanischen Beschränkungen des Systems und das benutzte Material führten zur Entwicklung eines spezifischen Zeichenstils. Anstatt sich starr an den Originalvorlagen zu orientieren, ist es viel spannender, die Originalgetreue einfach mal zu vergessen und seine eigene stereographische Handschrift zu entwickeln, d.h. Vorlagen kreativ zu interpretieren.

Alle auf diesen Seiten gezeigten 3-D Bilder wurden auf geöltem und damit besonders durchsichtigem Transparentpapier gemalt, welches sich ähnlich einer Glasscheibe, von beiden Seiten betrachten lässt. So können sowohl Stereoskope nach Pigeon als auch solche nach Wheatstone eingesetzt werden, um die Bilder dreidimensional zu betrachten. motiv2

Angeregt von Pigeons Stereoskop, entwickelte ich das Folioscop. Diese Konstruktion - sozusagen ein Stereoskop in Buchform - erlaubt es, 3-D Zeichnungen in entsprechenden Büchern auch dreidimensional zu betrachten.

Aus schwarzweißen Tuschezeichnungen lassen sich mit Hilfe einfacher Fotokopien nun kostengünstig wunderschöne 3-D Bilderbücher erstellen.

Meine Leidenschaft galt schon immer auch den Comics. Ein Comic-Buch in dreidimensionalen Bildern zu malen, ist allerdings sehr aufwändig. Ich hoffe trotzdem, dass ich es irgendwann einmal schaffe, eines zu zeichnen. Ein paar Jahre wird es allerdings noch dauern. (Sylvain Arnoux, April 1997)